Prof. Dr. Heribert Schunkert

Wissenschaftlicher Leiter DigiMed Bayern, Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am TUM Universitätsklinikum Deutsches Herzzentrum

PD Dr. Dr. med. Moritz von Scheidt

Stellvertretender wissenschaftlicher Leiter DigiMed Bayern, Funktionsoberarzt der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am TUM Universitätsklinikum Deutsches Herzzentrum

Dr. med. Johannes Krefting

Assistenzarzt am TUM Universitätsklinikum Deutsches Herzzentrum

Dr. med. Fabian Starnecker

Facharzt am TUM Universitätsklinikum Deutsches Herzzentrum

Arbeitspaket 1: P4-Medizin bei Koronarer Herzerkrankung

Ziel von Arbeitspaket 1 ist es, die Koronare Herzerkrankung (KHK) und ihre Komplikationen wie Herzinfarkt und Herzinsuffizienz mit innovativen Ansätzen der P4-Medizin – prädiktiv, präventiv, personalisiert und partizipatorisch – zu bekämpfen. Das Paket umfasst drei Projekte:

  • AP1.1 – Krankheit verstehen:
    Aufbau einer umfassenden Datenbasis aus klinischen, genetischen und molekularen Informationen von über 20.000 Patienten am TUM Universitätsklinikum Deutsches Herzzentrum. Durch die Analyse von Genom-, Transkriptom-, Proteom- und Metabolom-Daten sollen neue Risikomarker identifiziert und personalisierte Vorhersage- und Therapieansätze entwickelt werden.
  • AP1.2 – Prävention digital gestalten:
    Entwicklung eines digitalen Präventionsprogramms in Kooperation mit der Deutschen Herzstiftung und der Deutschen Hochdruckliga. Kernstück ist die HerzFit-App, die personalisierte Tipps, Risikokalkulation und interaktive Module zur Förderung eines herzgesunden Lebensstils bietet. Die App dient zugleich als Plattform für partizipatorische Forschung.
  • AP1.3 – Versorgung verbessern:
    Analyse anonymisierter Versorgungsdaten führender Krankenkassen, um Therapieadhärenz und Risikofaktoren in der Praxis zu erkennen. Ziel ist die Entwicklung gezielter Strategien zur Verbesserung der Versorgung und Prävention.

Mehrwert:
Arbeitspaket 1 verbindet modernste molekulare Forschung mit digitalen Tools und Versorgungsanalysen, um die KHK-Prävention und -Therapie nachhaltig zu optimieren.

Ergebnisse Arbeitspaket 1

Personalisierte Medizin, Prävention und digitale Innovation


AP1.1 – Kohorten & IT-Infrastruktur für personalisierte Medizin

  • Erfolge: 
    • Aufbau einer digitalen Plattform zur Analyse individueller Patientenprofile.
    • Entwicklung eines klinischen Datenintegrationszentrums (DIZ) nach MII-Standard.
    • Integration klinischer Parameter, Omics-Analysen und Bilddaten.
    • Validierung von Biomarkern & Risikoscores für bessere Diagnose und Therapie.
    • Realisierung einer sicheren, skalierbaren IT-Architektur zur Speicherung und Verarbeitung sensibler Gesundheitsdaten.
    • Einbindung von Ethik, Datenschutz & Interoperabilität für rechtskonforme Forschung und spätere klinische Anwendung.
  • Nachhaltigkeit: 
    • Die entwickelten digitalen Strukturen und Methoden sind interoperabel und können in die DigiMed Bayern Secure Cloud 2.0 sowie die Bavarian Health Cloud (BHC) überführt werden.
    • Langfristige Skalierung auf europäischer Ebene (European Health Dataspace, EHDS) vorgesehen. 

 

AP1.2 – HerzFit App: Digitale Prävention für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Erfolge: 
    • Entwicklung und Launch der HerzFit-App als zentrale digitale Präventionsplattform (>150.000 Downloads).
    • Integration eines anonymisierten Datenspende- und Studienmoduls für neue wissenschaftliche Erkenntnisse.
    • Risikorechner für verschiedene Zielgruppen, frei verfügbar auf der Webseite der Deutschen Herzstiftung e.V. (DHS).
    • Intensive Abstimmung mit Datenschutzbehörden (BayLfD) zur Sicherstellung von Anonymisierung und Informationssicherheit.
  • Wissenschaftlicher Mehrwert: 
    • Aufbau einer wissenschaftlichen Datenbank und Entwicklung eines Studienmoduls zur datenschutzkonformen Erfassung pseudonymisierter Daten.
    • Erste klinische Studien mit Teilnehmerakquise und Durchführung über das HerzFit-Studienmodul seit 02/2025.
  • Herausforderungen: 
    • Langfristige Finanzierung und Weiterentwicklung der App, insbesondere technischer Stand und Wettbewerbsfähigkeit.

 

AP1.3 – Digitale Prävention und Krankheitsvermeidung mittels Krankenkassendaten

  • Erfolge:
    • Aufbau eines anonymisierten Datensatzes mit über 2,3 Millionen Versicherten aus Bayern, in enger Abstimmung mit Datenschutzbehörden.
    • Entwicklung und Nutzung einer PostgreSQL-Datenbank zur standardisierten Abfrage und Analyse von Versorgungsdaten.
    • Umsetzung von Use-Cases, z.B.: 
      • Vergleich von Medikamenten (Prasugrel vs. Ticagrelor) bei Herzinfarktpatienten – mit hoher methodischer Qualität und regulatorischer Relevanz.
      • Analyse des Einflusses von COVID-19 auf atherosklerotische Erkrankungen.
      • Untersuchung von Wetterbedingungen auf kardiovaskuläre Ereignisse.
      • Geschlechterunterschiede nach Herzinfarkt (STEMI): Frauen zeigen nach primärer PCI einen besseren myokardialen Erhalt und niedrigere 5-Jahres-Sterblichkeit.
    • Die Daten ermöglichen eine nahezu lückenlose Abbildung der Krankengeschichte durch Diagnosen (ICD-10), Prozeduren (OPS), Medikamente (ATC/PZN) und demografische Merkmale.
  • Wissenschaftlicher Mehrwert:
    • Entwicklung von Prädiktionsmodellen für Risiko, Prävention und Therapie.
    • Gesundheitsökonomische Analysen: z.B. finanzielle Belastung durch Non-Compliance und fehlende Einstellung von Risikofaktoren.
    • Zukunftsaussicht: Erweiterung der Datensätze um weitere Krankenkassen (z.B. Barmer, >10 Mio. Patienten deutschlandweit).
  • Nachhaltigkeit und Ausblick:
    • Mehrere Publikationen in Bearbeitung.
    • Vergleich klinischer Studien mit Versorgungsdaten der bayerischen Bevölkerung.
    • Ausbau der Datensätze und Integration in nationale und internationale Forschungsinitiativen.
Fazit Arbeitspaket 1

Arbeitspaket 1 hat die Grundlagen für eine datengetriebene, personalisierte Prävention und Versorgung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Bayern geschaffen. Die Kombination aus innovativer IT-Infrastruktur, digitaler Präventions-App und umfassender Versorgungsforschung mit Krankenkassendaten zeigt, wie moderne Medizin durch Digitalisierung, Datenschutz und interdisziplinäre Zusammenarbeit nachhaltig verbessert werden kann.