Arbeitspaket 2: P4-Medizin von Carotisstenose und Schlaganfall

 

Die häufigste Ursache eines Schlaganfalls stellt eine Verengung (Obliteration) einer oder beider Halsschlagadern (Carotiden) dar. Diese Verengungen der Halsschlagadern kommen durch die Progression von atherosklerotischen Plaques zustande, die, wenn sie eine bestimmte Größe erreicht haben, rupturieren können. Weltweit stellen Schlaganfälle aktuell die zweithäufigste Todesursache dar; in Deutschland werden jährlich ca. 260.000 Schlaganfälle registriert. Darüber hinaus sind durch einen Schlaganfall erlittene körperliche und geistige Behinderungen eine schwerwiegende Belastung für Patienten, die mit hohen Kosten im Gesundheitswesen verbunden sind.

Der Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum rechts der Isar der TUM steht eine der weltweit größten und aufgrund ihrer histologischen Aufbereitung, einmalige Biobank zur Verfügung. Basierend auf einer über lange Jahre entwickelten, hochstandardisierten Präparationsmethode werden Gefäße aus der Halsschlagader gewonnen und anschließend anhand íhrer Morphologie charakterisiert. Zusätzlich werden sämtliche klinischen Parameter der Patienten in einer Datenbank gesammelt und können so bei der Analyse Berücksichtigung finden. Konkret wurden bisher von 1.250 Patienten während einer Endarteriektomie, bei der aus der Halsschlagader die obliterierenden Plaques herausgeschält werden, Präparate histologisch auf ihren biologischen Phänotypus standardisiert untersucht und in Flüssigstickstoff für weitere genomische und proteomische Analysen eingelagert. Präliminäre Versuche mit diesem Material konnten zeigen, dass sich die Präparate hervorragend für diese Art der Analyse eignen und hiermit vielversprechende Ergebnisse über die Ursache einer Plaqueruptur erhoben werden können. Auf diese Weise ist es möglich, die klinischen Ereignisse der Patienten nach erfolgter Operation mit dem Genom, Transkriptom und Proteom aus der Gefäßwand zu korrelieren. Das übergreifende Ziel dieser Untersuchung soll es sein, Bestandteile der Gefäßwand zu identifizieren, die mit einem prognostisch günstigen oder ungünstigen Verlauf einhergehen. Die genetischen Untersuchungen erlauben darüber hinaus eine Kausalität der beteiligten Proteine und funktionellen Netzwerke zu erkennen. Dadurch können nicht nur bessere Vorhersagen für die Wahrscheinlichkeit des Auftretens, sondern auch neue Ansätze zur personalisierten Prävention in der Behandlung von Schlaganfällen erreicht werden.

Als weiterer wichtiger Partner wird an dem Projekt Prof. Dichgans (Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung der LMU, LMUK) teilnehmen. Prof. Dichgans und das LMUK sind in führender Funktion an der Identifikation von Risikogenen und neuen RNA- oder Protein-basierten Biomarkern für Schlaganfall sowie an der Identifikation von Prognosemarkern beteiligt, welche bereits jetzt den Verlauf und die Vorhersehbarkeit von kognitiven Beeinträchtigungen nach Schlaganfällen über einen Zeitraum von bis zu 5 Jahren untersuchen. Darüber hinaus koordiniert das LMUK mehrere bildgebende Studien u.a. auch eine Studie zur Carotisstenose mit ultrahoch-auflösender Plaque-MRT, die zukünftig helfen werden, die individuelle Beschaffenheit und das Ruptur-Risiko von vulnerablen atherosklerotischen Plaques und mikrovaskulären Veränderungen präziser zu bestimmen und voraussagen zu können.

Ein vorrangiges Ziel des AP2 wird es sein, die Ergebnisse aus den bisher parallel verlaufenden Biobank-Projekten am Klinikum rechts der Isar und den klinischen Untersuchungen am LMUK miteinander zu verknüpfen. So sollen Marker, die in den Multi-Omics Analysen der Gefäßpräparate identifiziert werden, in den Verlaufsstudien des LMUK näher untersucht werden und umgekehrt Multi-Omics Daten an prospektiven Schlaganfallkohorten des LMUK in den Gewebeproben der Biobank charakterisiert werden. Diese Synergie aus humaner Biobank und klinischen Studien, sowie den vorhandenen experimentellen Plattformen am MRI und LMUK, wird es ermöglichen, nicht nur neue Marker, sondern auch neue therapeutische Ziele in der Schlaganfall-Prävention und -Therapie zu identifizieren.

Prof. Dr. med. Heribert Schunkert
Prof. Dr. med. Heribert Schunkert

Wissenschaftlicher Leiter DigiMed Bayern, Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum München

+49 (0) 89 / 1218-4073

Prof. Dr. Jürgen Beckmann
Prof. Dr. Jürgen Beckmann

Professor and Chair of Sport Psychology, Dept. Sport and Health Sciences, Technical University of Munich

+49 (0) 89 / 289-24541

Prof. Dr. med. Lars Maegdefessel
Prof. Dr. med. Lars Maegdefessel

Leiter der Sektion "Vaskuläre Biologie", Klinik und Poliklinik für Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie, TUM

+49 (0) 89 / 4140-3490

Prof. Dr. med. Martin Dichgans
Prof. Dr. med. Martin Dichgans

Direktor Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung, Klinikum der Universität München

+49 (0) 89 / 4400-46019

Prof. Dr. Thomas Meitinger
Prof. Dr. Thomas Meitinger

Leitung Institut für Humangenetik, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München

+49 (0) 89 / 4140-6381

Prof. Dr. Matthias Mann
Prof. Dr. Matthias Mann

Director Department of Proteomics and Signal Transduction, Max-Planck-Institute of Biochemistry

+49 (0) 89 / 8578-2557

Prof. Dr. Dieter Kranzlmüller
Prof. Dr. Dieter Kranzlmüller

Vorsitzender des Direktoriums des LRZ

+49 (0) 89 / 35831-8700