Prof. Dr. med. Lars Maegdefessel

Leiter der Sektion "Vaskuläre Biologie", Klinik und Poliklinik für Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie, TUM

Prof. Dr. med. Martin Dichgans

Direktor Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung, Klinikum der Universität München

Arbeitspaket 2: P4-Medizin bei Carotisstenose und Schlaganfall

Schlaganfälle sind weltweit die zweithäufigste Todesursache – in Deutschland jährlich rund 260.000 Fälle. Häufige Ursache: die Verengung der Halsschlagadern (Carotisstenose) durch atherosklerotische Plaques. Arbeitspaket 2 verfolgt das Ziel, mit Ansätzen der P4-Medizin (prädiktiv, präventiv, personalisiert, partizipatorisch) neue Strategien zur Vorhersage und Prävention zu entwickeln.

Schwerpunkte:

  • Biobank-Analysen:
    Nutzung einer der weltweit größten Biobanken am Klinikum rechts der Isar mit über 1.250 standardisierten Gefäßpräparaten. Multi-Omics-Analysen (Genom, Transkriptom, Proteom) sollen Marker identifizieren, die mit dem Risiko einer Plaqueruptur und Schlaganfall korrelieren.
  • Klinische Studien & Bildgebung:
    Kooperation mit dem Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung (LMU) zur Erforschung genetischer Risikofaktoren, Biomarker und kognitiver Prognosemarker. Ergänzt durch hochauflösende Plaque-MRT zur präzisen Risikobestimmung.
  • Synergie von Daten & Forschung:
    Verknüpfung von Biobank-Daten mit prospektiven Schlaganfallkohorten und klinischen Verlaufsstudien. Ziel: neue diagnostische Marker und therapeutische Ansätze für die personalisierte Schlaganfallprävention.

Mehrwert:
AP2 kombiniert molekulare Analysen, klinische Forschung und modernste Bildgebung, um Schlaganfälle früher zu erkennen und individuelle Präventionsstrategien zu ermöglichen.

Ergebnisse Arbeitspaket 2

P4-Medizin bei Carotisstenose und Schlaganfall

Überblick

Arbeitspaket 2 widmet sich der Erforschung der molekularen Mechanismen von Atherosklerose und Schlaganfall, mit Fokus auf die Destabilisierung von Plaques in der Halsschlagader (Karotisarterie) und deren klinische Relevanz.

Zentrale Ergebnisse

  • Innovative Sequenzierungsmethoden:
    Durch den Einsatz modernster Transkriptom- und Proteom-Technologien wurden bislang unbekannte Gene und Proteine identifiziert, die eine Schlüsselrolle bei der Destabilisierung atherosklerotischer Plaques und der Entstehung von Schlaganfällen spielen.
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit:
    Die enge Vernetzung mit anderen Arbeitspaketen (insbesondere AP5.1 und AP5.2) ermöglichte die Generierung eines weltweit einzigartigen Datensatzes. Dieser Datensatz verbindet klinische Metadaten (inklusive Bilddaten aus CT und Ultraschall) mit Gen- und Proteinexpressionsdaten.
  • Klinische Relevanz:
    Die Integration von Bild- und Gen-/Proteindaten erlaubt eine verbesserte Risikostratifizierung für Patienten mit Karotisstenose.
    • Neue Biomarker wurden entwickelt, die helfen zu entscheiden, ob eine Operation bei asymptomatischen Patienten indiziert ist.
    • Es wurden neue therapeutische Zielstrukturen entdeckt, die das Vorkommen und die Ausprägung von inflammatorischen glatten Gefäßmuskelzellen bestimmen. Deren Blockade kann Plaques stabilisieren und das Risiko für Schlaganfälle senken.
  • Datenschutz und Sicherheit:
    Neue datenschutzrechtliche Standards und eine verbesserte Sicherung der klinischen und biomedizinischen Datensätze wurden etabliert.

Nachhaltigkeit und Ausblick

  • Die entwickelten Biomarker und Therapieansätze werden in Folgeprojekten – teils mit kommerziellen Partnern – weiterentwickelt und für die klinische Anwendung vorbereitet.
  • Die Munich Vascular Biobank (MVB), eine durch DigiMed Bayern ausgebaute Ressource, liefert hochwertige Gewebe- und Blutproben für weitere molekulare Analysen und zukünftige Forschungsprojekte.
Fazit Arbeitspaket 2

Arbeitspaket 2 hat entscheidende Fortschritte für die personalisierte Prävention, Diagnose und Therapie von Schlaganfall und Atherosklerose erzielt. Die Verbindung von innovativer Molekularforschung, klinischen Daten und digitaler Infrastruktur setzt neue Maßstäbe für die kardiovaskuläre Medizin in Bayern und darüber hinaus.